Fintechs – Wettbewerber mit Konfliktpotenzial oder doch nur Lieferant der Banken?

In den letzten Jahren ist viel darüber geschrieben worden, wie Fintechs den Bankenmarkt aufrollen. Eine Geschichte drehte sich dabei immer wieder darum, wie Kunden von den Banken zu den Fintechs wandern. Dabei hat diese Geschichte nicht unbedingt viel mit dem Thema Innovation zu tun. Einen Markt neu zu definieren, kann auf vielen Wegen passieren. Durch Gesetzgebung, durch Änderungen in der Zulieferkette, durch Veränderungen im Kundenverhalten, durch technologische Innovationen, usw.

In der Automobilbranche gibt es seit Jahren dezentrale Wertschöpfungsketten. Jeder produziert das, was er am besten kann. Und am Ende gibt es jemanden, der das Gesamtpaket verkauft. Idealerweise sollte er oder sie auch das am besten können, nämlich Brand Building, Vertrauen, Kundenbindung. Diese Strategie verkörpert den idealtypischen Ansatz der Arbeitsteilung. Es macht wenig Sinn, selbst Autositze zu bauen, wenn die eigenen Produktionskosten doppelt so hoch sind im Vergleich zum Einkauf bei einem spezialisierten Anbieter.

„Langfristig lässt sich am meisten Kosten sparen, indem die
Wertschöpfungskette optimiert wird.“

Bankgeschäft ist reguliert, weshalb die kernprozessrelevanten Wertschöpfungsketten in der Vergangenheit oft In-House gehalten wurden. So lange die Kapitalrendite diese Strategie rechtfertigt, kann diese Form des „Wir bieten alles selber an“ funktionieren. Nur sind die Banken derzeit einem Zinsumfeld mit niedrigen Margen, hohen Kosten für regulatorische Anforderungen und zudem auch einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt. Die derzeitigen Kapitalrenditen sind nicht mehr zufriedenstellend. Daher müssen viele Kosten einsparen. Langfristig lässt sich am meisten Kosten sparen, indem die Wertschöpfungskette optimiert wird. Leistungen, die andere schneller, besser und günstiger anbieten, steigern die eigene Profitabilität. Deshalb wird derzeit sehr viel über Kooperationen zwischen Fintechs und Banken geredet. Dieses Mal, im Nach-Krisen-Zeitalter, scheint der Kostendruck intensiver, durch das fehlende Wachstum wahrscheinlich langfristiger und durch das Thema Digitalisierung auch nachhaltiger zu sein.

Zudem drängen durch die Digitalisierung immer mehr technische Innovationen und Produktinnovationen auf den Markt. Innovationen, regulatorische Anforderungen und Kosteneinsparungen gleichzeitig In-House umzusetzen, ist fast unmöglich. Und wenn, dann wird es bei dem intensiven Wettbewerb vermutlich zu lange dauern, zumal technologische Schwergewichte wie Amazon, Apple und Facebook vor der Tür stehen und beste Voraussetzungen haben, in den Bankensektor vertikal vorzudringen. Sie bringen viele Kunden, eine starke Marke und enge Kundenbeziehungen mit.

„Banken können einen kostenoptimierten und innovativen Green-Field-Ansatz
implementieren und Fintechs Ihre Innovationen schnell skalieren“

Nimmt man alle diese Punkte zusammen, erweist es sich also durchaus als sehr ratsam, über für alle Seiten gewinnbringende Kooperationen in der eigenen Wertschöpfungskette nachzudenken, sowohl für Banken als auch für Fintechs und die Endkunden. Banken können somit einen kostenoptimierten und innovativen Green-Field-Ansatz implementieren und Fintechs können Ihre Innovationen schnell skalieren. Diese Art der Kooperation, dass Fintechs als Lieferanten der Wertschöpfungsketten der Banken agieren ist die logische Konsequenz, wenn man sich die Voraussetzungen in der deutschen Bankenlandschaft anschaut. Fintechs bieten oft optimierte Nischenlösungen an. Eine Aggregation dieser Angebote erfolgt am einfachsten über bestehende Kundensammelpunkte, die Banken. Und diese können durch Kooperationen ihren Innovations- und Kostenoptimierungsprozess enorm beschleunigen. Das bezeichnen wir als einen klassischen Win-Win.

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12.12.2016