Was heißt eigentlich Digitalisierung in der Finanzbranche?

13.05.2016 von Robin Buschmann

Hat sich nicht jeder schon mal gefragt, was die FinTechs eigentlich digitalisieren? Jedes Konto und jedes Wertpapierdepot stellen eine Ansammlung von Daten und Zahlen dar, die einem Kunden eineindeutig zugeordnet werden und ihm somit bestimmte Vermögensrechte einräumen. Damit ist der Finanzsektor schon seit vielen Jahren digital. Warum also braucht gerade diese Branche eine Digitalisierungsoffensive?

Die Antwort lässt sich durch die Unterscheidung in Produkt und Prozess geben. Schauen wir uns als Beispiel das Produkt Konto an, welches schon vor Jahrzehnten digitalisiert wurde. Ein Konto an sich beinhaltet lediglich Informationen über den Inhaber und dessen Vermögenswerte. Der Prozess aber, der uns den Zugriff auf und das Änderungsrecht an diesen Informationen gewährt, ist oft nicht so digital wie das Produkt selbst. So muss man sich oftmals noch für eine Kontoeröffnung in der Postfiliale identifizieren, und auch eine Kontoschließung erfordert meist eine persönliche Unterschrift. Das heißt, auch wenn das Produkt an sich nicht unbedingt greifbar ist, braucht es immer noch manuelle Prozessschritte, um das Produkt ganzheitlich nutzen zu können. Dabei müssen diese manuellen Prozessschritte nicht immer durch den Kunden erfolgen. Oft finden diese auch innerhalb der gewachsenen Strukturen der Geldhäuser statt, was wiederum zu echten Kostenproblemen führt. FinTechs positionieren sich bei beiden Prozessthemen als Innovatoren, sowohl dem Kunden gegenüber als auch in Bezug auf die Prozessoptimierung in der Abwicklung von Finanzprodukten.

Gegenüber den Kunden wollen FinTechs die Prozesse mit einfacheren Zugriffsmöglichkeiten und intuitiven Angeboten verbessern: weg vom manuellen Prozess und hin zum digitalen Produkt mit Direktzugriff. Aus unflexiblen Abläufen realisieren FinTechs schlanke und effiziente Prozesse, die bis ins kleinste Detail optimiert werden können und innerhalb von Sekunden Zugriff auf die Produkte ermöglichen. Je mehr der Prozess dabei digitalisiert wird, desto flexibler können wir die Finanzprodukte nutzen. Auf diese Weise kann auch spontan für das Alter vorgesorgt und in innovative Ideen investiert werden, wenn sie tagesaktuell sind. Oder man nimmt einen Kredit auf, wenn man ihn tatsächlich braucht, am besten mobil mit dem Smartphone und sofort.

Bei der Prozessoptimierung der Produktabwicklung geht es vor allem um Kostenersparnisse, damit die Finanzprodukte für alle attraktiver werden. Auch hier setzen viele FinTechs mit schlanken digitalen Prozesse an, da Anbieter mit historisch gewachsenen Strukturen genau dort ihre Kostenprobleme haben. Wenn der Prozess um das Produkt dank der Digitalisierung immer schlanker wird, wird das Produkt letztendlich preiswerter. Die dadurch erzielten Kostenvorteile können über das Produkt an die Kunden weitergegeben werden. Neben der Flexibilität und den Kostenersparnissen bringt die Digitalisierung aber noch einen weiteren Vorteil: neue Produktmöglichkeiten. Vor einigen Jahren war es jungen Unternehmern kaum möglich, Ihre Ideen mit der Öffentlichkeit zu teilen und dafür Geld einzusammeln. Bereits heute etabliert sich dank digitaler Marktplätze für Finanzprodukte Crowdfunding als neue Anlageklasse. Auch das Deutschlandportfolio wäre ohne das digitale Zusammentreffen von Kreditnehmern und Anlegern nicht möglich.

Zusammengefasst heißt das vor dem Hintergrund der Fragestellung zur Bedeutung der Digitalisierung in der Finanzbranche vor allem eins: Sowohl Zeitpunkt und Geschwindigkeit des Zugriffs auf Finanzprodukte als auch die Auswahlmöglichkeiten an und die Benutzerfreundlichkeit von Finanzprodukten zu verbessern. Die dahinterstehenden Zahlen und Daten bleiben so digital wie sie vorher bereits waren.

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